Der Traum vom Paradies: Ein richtiger Biogarten

Der Traum vom Paradies: Ein richtiger Biogarten

Biogarten
© Envato Elements

Üppige rosafarbene Wildrosen blühen mit leuchtend blauem Rittersporn um die Wette, knorrige alte Apfelbäume recken ihre überreich von Früchten bedeckten Äste in den strahlenden Himmel, Schmetterlinge tanzen über Wildblumenwiesen und über allem liegt das laute und lebhafte Gezwitscher der Vögel…

Ich atme tief ein, der Alltagsstress fällt von mir ab, meine Schultern entspannen sich und tief aufatmend genieße ich diesen wunderbaren Duft der reifen Erde. Meine Augen wandern durch mein kleines Paradies, finden immer wieder etwas Neues, an dem zu erfreuen sich lohnt und meine bloßen Füße genießen das Kitzeln der sonnenwarmen Wildblumenwiese. Dies muss kein Traum bleiben – wie wäre es mit einem Biogarten?

Im Biogarten lebt man im Einklang mit der Natur. Als Gärtner versteht man sich als Bewahrer des ökologischen Gleichgewichts. Das heißt – auf chemische Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger wird verzichtet. Stattdessen greift man auf altüberliefertes Wissen zurück und schafft auf seinem Fleckchen Erde ein Öko-Gleichgewicht, in dem sich die Pflanzen praktisch selbst gesund erhalten und jede Pflanze und jedes Tier eine wichtige Funktion zur Stabilisierung des Ganzen übernimmt. Dies klingt ein wenig kompliziert, und am Anfang ist es auch nicht ganz so einfach, wenn Sie ein rechteckiges Rasenstück mit gepflegten Beeten in eine wilde Naturoase verwandeln möchten. Es kann schon sein, dass Sie zu Beginn öfters eingreifen müssen und auch Misserfolge erleben. Schließlich dauert es seine Zeit, bis ein ökologisches Gleichgewicht sich eingependelt hat. Aber glauben Sie mir, das Ergebnis lohnt den Aufwand. Als ich z.B. im ersten Jahr auf Schneckenkorn verzichtet habe, konnte ich mehr Schnecken als Salat ernten. Im nächsten Jahr aber hatte es sich wohl bei den Vögeln herumgesprochen, dass in meinem Garten ein reichgedeckter Tisch auf sie wartete – und das Schneckenproblem war gelöst.

Vorteile des Biogartens

  1. Gesundes und wohlschmeckendes Obst und Gemüse
    Obst und Gemüsesorten werden nur mit Kompost und Pflanzenjauchen gedüngt, auf chemische Spritzmittel wird verzichtet.
  2. Wenig Arbeit
    Beete werden gemulcht, so dass gießen und Unkraut jäten entfallen. So haben Sie erfreulich viel Zeit, die Seele baumeln zu lassen. Oft liege ich in meiner Hängematte, die an zwei alten Birnbäumen befestigt ist (die reichtragende ‘Gute Luise’ und die leicht säuerliche ‘Clapp’s Liebling’, die sich gegenseitig befruchten) und beobachte, wie meine Nachbarn eifrig mit Unkraut jäten, gießen, Rasen mähen usw. beschäftigt sind.
  3. Leben mit der Natur
    Gärtnern sollte entspannen, eine Bereicherung des Lebens sein und uns auch zu unseren natürlichen Wurzeln wieder zurückführen. Sie werden erleben, um wie vieles entspannender ein Leben in einem Biogarten ist. Die Wildblumenwiese sieht z.B. immer gut aus – gemäht oder nicht – und überrascht mich zu jeder Jahreszeit aufs Neue mit immer wieder anderen Farbkompositionen. Blätter von Laubbäumen lasse ich im Herbst einfach liegen, sie bilden bunte Farbtupfer und fördern das Bodenleben. In einem ordentlichen Ziergarten dagegen verbringt man einen Großteil der Zeit damit, unerwünschte Pflanzen zu bekämpfen und der Natur eine eigene Vorstellung von Ordnung aufzuzwingen.

Der Weg zum Biogarten

Die Grundlage: der Boden

Wie in jedem Garten ist die Grundlage allen Wachsens und Gedeihens der Boden. Und für einen Biogarten, in dem wir auf Kunstdünger verzichten wollen, ist der Boden sogar die absolute Hauptsache. Ein fruchtbarer, lebender Boden regeneriert sich mit nur wenigen Pflegemaßnahmen praktisch von selbst!

Erhaltungsmaßnahmen für gesunden Boden

  1. Lassen Sie kein Fleckchen Erde unbedeckt. Ungeschützte Erde wird durch Sonneneinstrahlung und Regen ausgelaugt. Bedecken Sie freie Flächen mit Stroh, Kompost, Laub, Häckselgut etc. Auch mit Gründüngung oder der Aussaat von Einjährigen kann der Biogärtner den Boden vor Austrocknung und Nährstoffverlust schützen.
  2. Kompost – das schwarze Gold des Gärtners: ohne Kompost funktioniert der Bio-Garten nicht, denn er wird von den Mikroorganismen so umgewandelt, dass der die Pflanzen langfristig mit Nährstoffen versorgt, so dass auf weitere Düngergaben verzichtet werden kann.

Obstbäume

Zu einem Biogarten passen natürlich alle Arten von Obstbäumen: ein knorriger alter Apfelbaum ist ein wunderschöner Anblick und bringt zugleich reiche Ernte.

Birnenbaum
Birnenbaum – © Envato Elements

Gemüsegarten

Fruchtwechsel und Mischkultur sind die Zauberworte im Gemüsegarten. Der Fruchtwechsel verhindert die Auslaugung des Bodens, die Mischkultur trägt zur Gesunderhaltung der Pflanzen bei. Mein Gemüsegarten ist in 4 Beete aufgeteilt:

Beet 1 wird bereits im Herbst mit Pferdemist aufgewertet. Im Frühjahr setze ich dort mittelfrühe Kartoffeln – die ganz frühen Sorten faulen zu leicht. Als Nachkultur pflanze ich Radicchio, danach folgt eine Gründüngung, die dem Boden wieder Nährstoffe zuführt.

Beet 2 beherbergt alle Kohlgewächse: Weißkohl, Rotkohl, Kohlrabi, Grünkohl und Rosenkohl sowie Wirsing.

In Beet 3 wachsen Zwiebeln, Karotten und Porree. Während die Zwiebeln das Wachstum der Möhren begünstigen, kann man das umgekehrt leider nicht sagen.

Beet 4 wiederum ist für Erbsen reserviert, von denen ich gar nicht genug bekommen kann. Ein Teil der frischen Erbsen wird verwertet, den Rest friere ich ein.

Im nächsten Jahr wandern die Kartoffeln auf Beet 4, alles andere rückt auch um ein Beet vor. (Kohl auf das ehemalige Kartoffelbeet, dann Zwiebeln und Möhren auf das Kohlbeet und Erbsen auf das ehemalige Möhrenbeet.)

Außerdem habe ich noch ein festes Erdbeerbeet und ein Beet für Tomaten, die selbstverträglich sind und für mehrere Jahre an einem Ort bleiben können.

Um auch den kleinsten Platz zu nutzen, habe ich in den Ecken der Beete Johannisbeer- und Stachelbeerhochstämmchen gepflanzt und den Mittelweg mit Rosenbögen eingefasst, an denen die Stangenbohnen wachsen.

Düngen mit den Kräften der Natur

Die Natur ist ein in sich geschlossener Kreislauf. Pflanzen wachsen heran, verwelken und werden im Boden von den Mikroorganismen so verarbeitet, dass sie für die anderen Pflanzen als Nährstoffe wieder verfügbar sind. Im Garten allerdings greift der Mensch ja ständig in diesen Kreislauf ein. Obst und Gemüse werden geerntet, Verwelktes abgeschnitten und ständig wird der Boden neu beansprucht, mehr zu produzieren. Dadurch entziehen wir ihm Nährstoffe, die wir ihm auf anderem Wege wieder zuführen müssen. Im Biogarten wird auf mineralische Dünger (diese werden sofort von der Pflanze aufgenommen und es besteht die Gefahr der Überdüngung) verzichtet und stattdessen mit organischen Düngern gearbeitet. Diese bestehen ausschließlich aus tierischen und pflanzlichen Rohstoffen, die für die Pflanze nicht sofort verfügbar sind, sondern zuerst von den Bodenlebewesen bearbeitet und dann wohldosiert an die Wurzeln abgegeben werden. Zu diesen Düngern gehören Kompost, Stallmist, Jauchen, Hornmehl und -späne oder Knochenmehl.

Natürliche Schädlingsbekämpfung

Dieser Kreislauf funktioniert in einem intakten Öko-System auch bei der Schädlingsbekämpfung. Wenn sich Schädlinge einstellen, dann vermehren sich auch die Nützlinge, die ja jetzt optimale Lebensbedingungen vorfinden, und schon bald ist das Gleichgewicht wieder hergestellt. Durch das Eingreifen des Menschen mit chemischen Mitteln werden zwar die Schädlinge abgetötet, aber auch Nützlinge werden reduziert, d.h., die natürlichen Kräfte werden zerstört. Besser ist es also, durch gezielte Maßnahmen die Lebensbedingungen für die Nützlinge zu verbessern und dann der Natur seinen Lauf zu lassen. Dazu gehören z.B. Nist- und Unterschlupfmöglichkeiten im Garten – Trockenmauern, Wildhecken, Reisighaufen, etc. Vor allem Wildblumen und auch Unkräuter sollten in einem Biogarten vorhanden sein, denn sie liefern Pollen und Nektar für Nützlinge.
Ist der Schädlingsbefall stark, kann man auch mit speziellen Jauchen versuchen, ihn zu bekämpfen. Ameisen lassen sich z.B. wunderbar mit einer Lavendeljauche vertreiben, Blattläuse hassen Wurmfarnjauche und die Möhrenfliege nimmt bei Kontakt mit einer Zwiebeljauche Reißaus.

Vier-Beete im Wechsel

1. Beet

  • Kartoffeln
  • Radicchio als Nachkultur und im Herbst Gründüngung für den Boden

2. Beet

  • Weiß-,
  • Rot-, Grünkohl, Wirsing,
  • Rosenkohl,
  • Kohlrabi

3. Beet

  • Zwiebeln
  • Karotten
  • Porree
  • einzelne Zwiebeln zwischen den Möhren

4. Beet

  • Erbsen
  • von der großen Ernte wird einiges eingefroren.
Blumenerde
Blumenerde – © Envato Elements

Der Weg zum perfekten Boden

Schritt I

Roden Sie die Oberfläche. Grassoden sollten abgestochen und kompostiert werden, ansonsten reicht es aus, die Erde oberflächlich aufzuharken.

Schritt II

Säen Sie eine Gründüngung aus. Das sind einjährige Samenmischungen (aus Lupine, Gelbsenf, Ölrettich, Phacelia etc), die schnell keimen, den Boden vollständig bedecken und mit ihrem tiefen, reichverzweigten Wurzelwerk tief verkrustete Böden regelrecht aufbrechen und lockern. Im Herbst wird die Gründüngung mit der Motorsense abgeschnitten. Der Schnitt bleibt auf dem Boden liegen und verrottet zu wertvollem Humus. Die hohlen Wurzelstränge locken Regenwürmer an, die nun ihrerseits den Boden weiterhin lockern, mit Humus anreichern und mit Leben erfüllen.

Schritt III

Im Herbst wird Kompost oder tierischer Dünger auf dem Boden verteilt.

TIPP

Fragen Sie bei einem Reiterhof in Ihrer Umgebung. Dort wird man Ihnen in der Regel gerne kostenlos Pferdemist aus den Boxen, der bereits mit Stroh vermischt ist, zur Verfügung stellen. Diese Mischung können Sie so auf dem Boden ausbringen. Sie schützt den Boden im Winter vor Erosion, Ausschwemmung und Nährstoffverlust und verwittert bis zum Frühjahr.
ACHTUNG: Frischer Pferdemist ist „scharf“ und ist nur für Böden geeignet, auf denen nichts angebaut ist. Also nicht um Bäume und Pflanzen ausbringen!

Schritt IV

Im Frühjahr wird der Boden mit der Grabegabel oder dem Sauzahn gelockert. Jetzt haben Sie einen fruchtbaren, lockeren, lebenden Gartenboden und Sie können mit der Gestaltung Ihres Biogartens beginnen.

Nützlinge im Biogarten

NützlingEigenschaftenFörderung
Florfliegebekämpft BlattläuseWildblumen
Vogelvernichtet viele SchädlingeVogelschutzhecken, Nistmöglichkeiten
Marienkäferbekämpft BlattläuseWildhecken, -blumen
Igelvernichtet viele SchädlingeReisighaufen, Trockenmauern
Ohrwurmbekämpft Blattläusemit Stroh gefüllte Tontöpfe
Schlupfwespebekämpft die Weiße FliegeWildhecken, -blumen
Schwebfliegebekämpft BlattläuseWildhecken, -blumen

Jauchen zur Pflanzenstärkung

JaucheZubereitungFörderung
Brennesseljauche1 kg / 10 L Wasseralle 2 Wochen gießen
Beinwelljauche1 kg / 10 L Wasseralle 2 Wochen gießen
Rainfarnjauche500 g / 10 L Wasserbei Obst im Herbst
Zwiebeljauche500 g / 10 L WasserMöhren alle 2 Wochen gießen
Wermutjauche400 g / 10 L Wasserim Frühjahr als Schutz vor Blattläusen
Schachtelhalmjauche1 kg / 10 L Wasserim Frühjahr bei Rosen und Obst
Rhabarberblätterjauche1 kg / 10 L Wasserim Frühjahr als Schutz vor Blattläusen

Blumen für den Biogarten

NameBlüteFarbeHöheStandort
Ziertabak (Nicotiana x sanderae)VI-Xrosa, rot, weiß, gelb30-80vollsonnig
Muschelbume (Molucella laevis)VII-VIIIgrün-weiß100vollsonnig
Marienglockenblumen (Campanula medium)VI-VIIweiß, blau, rosa80sonnig / halbschattig
Judastaler (Lunaria annua)V-VIviolett, rosa, weiß100sonnig / halbschattig
Nachtkerze (Oenothera biennis)VI-IXgelb100sonnig / halbschattig
Klatschmohn (Papaver rhoeas)V-VIIrot, rosa80vollsonnig
Studentenblume (Tagetes-Arten)V-Xweiß, gelb, orange25-120vollsonnig
Sonnenblume (Helianthus annuus)VII-Xgelb, rot, braun60-300vollsonnig
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